ANTE MERIDIEM

Installation

ANTE MERIDIEM is a solo exhibition that I developed site-specifically for the Museum Schramberg, located in the Black Forest (Schwarzwald), Germany.

The project brings together two central strands of my artistic practice:
#Conifers_series, which explores fir trees and forest mythologies.
#Pixel_series, site-specific panoramic cityscapes built from single pixels. Each work emerges in situ, developed through research, city walks, and observation. They are shaped by what my gaze captures, what my memory retains, and the contextual information I gather, transforming the city into a visual language of fragments and recollections.

Time, ritual, and circling cycles have accompanied my work for many years – not as themes I chose, but as forces that repeatedly find their place within it. In ANTE MERIDIEM, these forces converge with an older presence: the forest, and the circular logic of clocks.

Long before I knew the Black Forest as a geographical place, I knew it as a mysterious, almost living story space. As a child, I was captivated by the fairy tales of Wilhelm Hauff – dark, enchanted, and unsettling narratives that lingered in memory long after the book was closed. The tale that fascinated me most, and continues to do so, was Das kalte Herz / The Cold Heart. In it, the forest is not a mere backdrop, but a living system of memory, danger, and transformation. This story drew the first contours of my inner map of the Schwarzwald, long before I ever set foot in the region. When I finally encountered the Black Forest in reality, it was less a discovery than a recognition, as if the land had been waiting within me all along.

As Museum Schramberg is also home to the renowned Clock Museum (Uhrenmuseum), I created a new work, ORBIS_LOOP, which premiered at the exhibition opening and was subsequently acquired for the museum’s permanent collection. The clocks recorded for this work extend the logic of time in the exhibition: their mechanical rhythms echo the heartbeat of the installation, yet they also contradict it. Where the forest dissolves time, the clock insists on measuring it. Between these two systems – organic and mechanical – the exhibition unfolds as a suspended moment, caught before the hour strikes.

Another new work, AXIS, was also presented for the first time. Constructed from wooden “pixels” coated with chalk primer, it refers to the long tradition of wood craftsmanship in the Black Forest.

At the center of the exhibition hall, a spruce from a nearby forest was installed. Throughout the entire duration of the exhibition, it rotated around its own axis, marking time not through numbers, but through drifting shadows and circular traces formed by the gradual fall of its needles onto the floor. Like a clock without a face, it performs time as disappearance. This tree, and the forest it evokes, also recall my earliest artistic memories: conifers as carriers of inherited myths, childhood fascination, and the uncanny. The Black Forest here becomes connective tissue between personal history and collective time  – a place where stories, objects, and sounds are held in a state of continuous becoming.

With the generous support of the museum’s director Gisela Lixfeld and her team, I was granted access to the museum depot. Together with sound designer Andreas Usenbenz, we recorded the sounds of historical clocks from the collection, one by one. These individual recordings were later composed into the new sound piece for ORBIS_LOOP.

The exhibition architecture was conceived as a site-specific installation using the museum’s glass display cases. Within them, I rearranged selected ceramic objects – decorated with fir tree motifs and views of the city of Schramberg – and integrated them into my exhibition context.

The exhibition unfolded across five spatial zones:

Entry space, featuring new spray works.
Clock room, presenting Schramberg city motifs and a new wall piece built in situ from magnetically attached pixels.
Main hall, centered around the rotating fir tree.
Dark room, where a new installation merged Schramberg glazed ceramics with my video works.
Balcony, where glazed ceramic tiles from the museum’s collection were arranged by me as a floor mosaic, reflecting the characteristic color palette of Schramberg.

I am deeply grateful to the team of Podium Kunst Schramberg for their logistical and organizational support, and for their dedicated commitment to contemporary art, firmly rooted in the history and presence of Schramberg. The opening speech by Dr. Brigitte Reinhardt, along with the conversations we shared prior to the exhibition and the support of Gisela Lixfeld, made this project a truly special experience – one that continues to inspire my subsequent work.

DE//

ANTE MERIDIEM ist eine Einzelausstellung, die ich ortsspezifisch für das Museum Schramberg im Schwarzwald, Deutschland, entwickelt habe.

Das Projekt verbindet zwei zentrale Stränge meiner künstlerischen Praxis:
die Nadelbäume-Serie #Conifers_series, die sich mit Fichten und Waldmythologien auseinandersetzt, sowie die Pixel-Serie #Pixel_series – ortsspezifische, panoramische Stadtlandschaften, aufgebaut aus einzelnen Pixeln.
Jede Arbeit entsteht in situ, entwickelt aus Recherche, Stadterkundungen und Beobachtung. Sie formt sich aus dem, was mein Blick erfasst, was mein Gedächtnis bewahrt und welche Informationen ich über den jeweiligen Kontext sammle. So wird die Stadt zu einer visuellen Sprache aus Fragmenten und Erinnerungen.

Zeit, Ritual und sich kreisende Zyklen begleiten meine Arbeit seit vielen Jahren – nicht als Themen, die ich mir gewählt habe, sondern als Kräfte, die immer wieder ihren Platz in meinem Werk einnehmen. In ANTE MERIDIEM verbinden sich diese Kräfte mit einer älteren Präsenz: dem Wald und der kreisförmigen Logik von Uhren.

Lange bevor ich den Schwarzwald als geografischen Ort kannte, kannte ich ihn als geheimnisvollen, beinahe lebendigen Erzählraum. Als Kind war ich fasziniert von den Märchen Wilhelm Hauffs – dunklen, verzauberten und verstörenden Geschichten, die lange nach dem Lesen im Gedächtnis nachhallten. Die Erzählung, die mich am stärksten prägte und bis heute begleitet, ist Das kalte Herz.
Darin ist der Wald nicht bloße Kulisse, sondern ein lebendiges System aus Erinnerung, Gefahr und Transformation. Diese Geschichte zeichnete die ersten Konturen meiner inneren Landkarte des Schwarzwalds – lange bevor ich ihn jemals betreten hatte. Als ich ihm später real begegnete, war es weniger eine Entdeckung als ein Wiedererkennen, als hätte diese Landschaft bereits in mir gewartet.

Da das Museum Schramberg auch das renommierte Uhrenmuseum beherbergt, entwickelte ich die neue Arbeit ORBIS_LOOP, die zur Ausstellungseröffnung erstmals präsentiert und anschließend in die Sammlung des Museums aufgenommen wurde.
Die für dieses Werk aufgenommenen Uhrenklänge erweitern die Zeitlogik der Ausstellung: Ihre mechanischen Rhythmen spiegeln den Pulsschlag der Installation und widersprechen ihm zugleich. Wo der Wald Zeit auflöst, besteht die Uhr darauf, sie zu messen. Zwischen diesen beiden Systemen – dem organischen und dem mechanischen – entfaltet sich die Ausstellung als schwebender Moment, gefangen kurz vor dem Schlag der Stunde.

Eine weitere neue Arbeit, AXIS, wurde ebenfalls erstmals gezeigt. Sie besteht aus hölzernen „Pixeln“, die mit Kreidegrund überzogen sind, und verweist auf die lange Tradition der Holzhandwerkskunst im Schwarzwald.

Im Zentrum der Ausstellungshalle wurde eine Fichte installiert, die aus einem Wald in der Nachbarschaft stammt. Sie drehte sich während der gesamten Ausstellungsdauer um die eigene Achse und markierte Zeit nicht durch Zahlen, sondern durch wandernde Schatten und kreisförmige Spuren, die durch das allmähliche Fallen der Nadeln auf dem Boden entstanden. Wie eine Uhr ohne Zifferblatt vollzieht sie die Zeit im Vergehen.
Dieser Baum – und der Wald, den er heraufbeschwört – erinnert zugleich an meine frühesten künstlerischen Prägungen: an Nadelbäume als Träger vererbter Mythen, kindlicher Faszination und des Unheimlichen. Der Schwarzwald wird hier zu einem verbindenden Gewebe zwischen persönlicher Geschichte und kollektiver Zeit – zu einem Ort, an dem Geschichten, Objekte und Klänge in einem Zustand fortwährenden Werdens gehalten werden.

Mit der großzügigen Unterstützung der Museumsdirektorin Gisela Lixfeld und ihres Teams erhielt ich Zugang zum Depot des Museums. Gemeinsam mit dem Sounddesigner Andreas Usenbenz nahm ich die Klänge historischer Uhren aus der Sammlung auf – einzeln, Uhr für Uhr. Diese Aufnahmen wurden später zu der neuen Klangkomposition für ORBIS_LOOP zusammengeführt.

Die Ausstellungsarchitektur wurde als ortsspezifische Installation unter Verwendung der Glasvitrinen des Museums konzipiert. In ihnen arrangierte ich ausgewählte keramische Objekte – verziert mit Tannenmotiven und Ansichten der Stadt Schramberg – neu und integrierte sie in meinen Ausstellungskontext.

Die Ausstellung gliederte sich in fünf räumliche Zonen:
Eingangsbereich mit neuen Spray-Arbeiten;
Uhrenraum mit Stadtmotiven aus Schramberg und einer neuen, vor Ort entwickelten Wandarbeit aus magnetisch befestigten Pixeln,
Haupthalle mit der rotierenden Tanne im Zentrum;
Dunkelraum, in dem eine neue Installation Schramberger Glasurkeramik mit meinen Videoarbeiten verband;
Balkon, auf dem glasierte Keramikplatten aus dem Museumsbestand von mir zu einem Bodenmosaik arrangiert wurden, um die charakteristische Farbpalette Schrambergs aufzugreifen.

Ich bin dem Team von Podium Kunst Schramberg sehr dankbar für die logistische und organisatorische Unterstützung sowie für ihr besoneres Engagement für zeitgenössische Kunst, die fest in der Geschichte und Gegenwart Schrambergs verwurzelt ist.
Die Eröffnungsrede von Dr. Brigitte Reinhardt, die Gespräche im Vorfeld der Ausstellung und die Unterstützung von Gisela Lixfeld machten dieses Projekt zu einer ganz besonderen Erfahrung – einer, die in meinen folgenden Arbeiten weiterwirkt.

Title
ANTE MERIDIEM
Second title
Space And Time
Specification
Installation
Year
2017
Location
Stadtmuseum Schramberg im Schloss, Bahnhofstraße 1, 78713 Schramberg, Black Forest /Schwarzwald, Germany
Photos by
Patricija Gilyte
Context

Patricija Gilyte, solo exhibition ANTE MERIDIEM, space and time, site-specific installations. 6.5.2017.-2.7.2017, organized by Podium Kunst Schramberg.

Thanks

Gisela Lixfeld, museum team Schloss Schramberg; Lars Bornschein / Podium Kunst; Dr. Brigitte Reinhardt; Andreas Usenbenz.

← Back to Overview